Navigation

Kay Paulus
Bild: Kay Paulus

– Insights –

Gastautor: Kay Paulus

Hallo, mein Name ist Kay Paulus, ich bin derzeit als Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Department Mathematik der FAU beschäftigt und befinde mich gerade in den letzten Zügen meines Promotionsverfahrens. Ursprünglich habe ich Lehramt studiert. Eigentlich wollte ich schon immer Lehrer werden. In der 5. Klasse begann ich, Nachhilfe zu geben. So war es nur folgerichtig, Lehramt für Gymnasien in Mathematik und Physik zu studieren.

Im Lehramt gelandet bin ich bisher trotzdem nicht. Und diese Geschichte will ich kurz erzählen.

Ich hatte an sich ein recht ordentliches Studium hinter mir und gerade meine Zulassungsarbeit in Mathematik abgegeben. Ich war zu diesem Zeitpunkt auch schon lange als Übungsleiter in der Mathematik tätig, und meine damalige Chefin war wohl die erste, die in mir den Gedanken an eine mögliche Promotion entfacht hat. Wir sprachen irgendwann einmal nach einer Besprechung über meine Zulassungsarbeit und naja, dann fiel irgendwann der folgenschwere Satz: “Hast Du Dir schon einmal überlegt zu promovieren?”. Ganz ehrlich: Nein, hatte ich bis zu diesem Zeitpunkt nicht. Der Doktor, ist das nicht etwas für die Hardcore-(damals-noch)-Diplomstudenten? So als Lehrämtler, hat man da überhaupt genug Fachwissen? Aber sie, meine damalige Chefin, war wohl überzeugter von mir als ich selbst. “Red doch mal mit Deinem Betreuer, was der sagt”. Na gut, also habe ich mit meinem Betreuer geredet. Und ja, der war anscheinend auch von mir überzeugt und hat mir auch ein Angebot gemacht, bei ihm zu promovieren. Aber die Selbstzweifel waren deswegen immer noch da.

Letzendlich habe ich es dann getan und ein Promotionsstudium in Mathematik begonnen. Warum? Vielleicht aus Neugierde, wie weit mich meine kleinen grauen Zellen tragen. Vielleicht aus dem Ehrgeiz heraus, etwas ganz neues zu entdecken. Vielleicht auch, weil man eine Chance, bei einem international renomierten Wissenschaftler promovieren zu können, einfach nicht wegwirft. Und ja, die ersten Monate waren nicht einfach. Ich fühlte mich fast noch einmal wie zurück im ersten Semester, nur auf einem anderen Niveau. Am Anfang der Doktorarbeit steht natürlich das so harmlos klingende “Einarbeiten” in das zukünftige Arbeitsgebiet. Und das war riesig. Ich fühlte mich zwischen so vielen Dingen, die ich bald wissen sollte, ziemlich verloren und die Selbstzweifel wurden auch erstmal nicht weniger. Diese Phase ist wirklich nicht einfach und verlangt einiges an Durchhaltevermögen. Ob mir ein Diplom- bzw Masterstudium hier einen Vorteil gegeben hätte? Ich glaube nicht. Klar, ich hätte vielleicht einige Begriffe schon einmal gehört oder ein paar grundlegende Techniken der Algebraischen Geometrie schon einmal gesehen, aber ich denke, recht viel länger als die ersten 14 Tage des Einarbeitens hätte mich das nicht getragen, danach wäre ich vor dem gleichen schier unüberblickbarem Berg gestanden.

Irgendwann, nach einigen Monaten intensiver Einarbeitung wurde ich irgendwann einfach ins kalte Wasser geworfen und mein Doktorvater hat mir ein konkretes Problem zur Bearbeitung übertragen. Und naja, das war wahrscheinlich das einzig Richtige. Man beginnt, nachzudenken, spezifischer Wissen zu sammeln und hat dann irgendwann auch die ersten kleinen Sätze bewiesen. Und zum Glück hatte ich hierbei auch immer die Unterstützung meines Doktorvaters meiner Kollegen, denen keine Frage zu blöd war und die alles dafür getan haben, mir die Materie der sphärischen Varietäten näher zu bringen. Und irgendwann kam dann doch die Überzeugung : Hey, ich kann das.

Mittlerweile ist meine Doktorarbeit fertig gestellt und in Begutachtung, mit zwei meiner Kollegen, die mir kleinen dummen Doktoranden damals so viel erklärt haben, habe ich mittlerweile auch meinen ersten Artikel außerhalb meiner Dissertation veröffentlicht. Zeit, ein Fazit zu ziehen:

Habe ich es bereut, mich für die Promotion entschieden zu haben? Nein, sicher nicht. Ich konnte unglaublich viel lernen, auch Fähigkeiten wie analytisches Denken oder “Ordnung in Problemstellungen bringen”, die ich sicher in jedem Beruf brauchen kann. Ich bin sicher auch persönlich an dieser Herausforderung gewachsen und habe gelernt, Geduld mit mir zu haben, auch in kritischen Phasen nicht zu verzweifeln und nie den Glauben, dass mir die Lösung des Problemes schon noch einfallen wird, zu verlieren.  Und auch das Unterrichten kam ja nicht zu kurz, ich habe ja während meiner Tätigkeit als Wissenschaftlicher Mitarbeiter auch Übungen und Tutorien abgehalten und sicher auch einiges gelernt, was man im Lehrerberuf brauchen kann.

Würde ich Dir als Lehramts-Student empfehlen, eine Promotion anzustreben? Warum nicht? Wenn Dich ein Thema interessiert, Du bereit bist, viel Energie aufzuwenden und Dich für Jahre darauf einzulassen, kann die Forschung unglaublich spannend und das Lösen von Problemen ungemein befriedigend sein. Es ist sicher möglich, auch als Lehramtsstudent auf wissenschaftlichem Niveau zu arbeiten, man muss vielleicht anfangs etwas mehr investieren als jemand, der schon ein paar Spezialvorlesungen gehört hat, aber machbar ist es allemal.

Ob ich jetzt doch noch Lehrer werde oder in der Wissenschaft bleibe? Noch etwas, dass mich die letzten Jahre gelehrt haben, ist, nie etwas auszuschließen 😉

Weitere Hinweise zum Webauftritt