Schule im Raum – Bildung in der Region Franken

Mitarbeiterinnen des ZfL gemeinsam mit einer Delegation von LehrerInnen aus dem Tiroler Örtchen Fließ
Bild: Andrea Seitz, ZfL

Wenn man Lehrkräfte im Großraum Erlangen-Nürnberg nach ihrem Berufsalltag fragt, so mag deren Antwort ganz anders ausfallen als die von Lehrenden ländlicher Räume. Welche Anforderungen werden an die Schulfamilie gestellt? Mit welchen Herausforderungen wird man konfrontiert, was für Chancen bieten sich? Und welche universalen Themen beschäftigen alle Lehrkräfte gleichermaßen? Diesen Fragen widmeten sich Mitarbeiterinnen des ZfL gemeinsam mit einer Delegation von LehrerInnen aus dem Tiroler Örtchen Fließ aus Österreich während derer dreitägigen Exkursion durch den Bildungsraum Mittelfranken.

Die Neue Mittelschule (NMS) Fließ hat sich als Naturparkschule in ganz besonderer Weise der Einbindung ihrer unmittelbaren Umwelt in den Lehrplan verschrieben. Gleichzeitig beeindruckt die Unterrichtsgestaltung durch das konsequent implementierte Konzept des Team-Teaching sowie eine hochmoderne technische Ausstattung. Nachdem sich eine Gruppe von Lehramtsstudierenden, Lehrkräften und ZfL-MitarbeiterInnen im Frühjahr selbst ein Bild von dem Fließer Schulalltag hatte machen können, war es nun also an der Zeit für einen Gegenbesuch der österreicherischen KollegInnen.

Erster Halt ihrer Bildungsreise war die Weltkulturerbe-Stadt Bamberg, wo die BesucherInnen nicht nur einen ersten Eindruck der Bildung in der Metropolregion mit ihren mittelalterlichen und barocken Bauwerken gewannen, sondern auch einige kulinarische Besonderheiten kennenlernten. Schulkontakt erfolgte am nächsten Tag in Form einer Hospitation an der Eichendorff-Mittelschule in Erlangen, wo der Schulleiter, Herr Klemm, gemeinsam mit seinem Kollegium ein spannendes Programm für die Gäste vorbereitet hatte. So wurde ihnen Einblick in die Arbeit der Lernbüros sowie der Lernwerkstatt gewährt; zwei Konzepte, die die Erlanger Schule mit viel Engagement und Innovationskraft seit Kurzem zum Zwecke einer größeren Selbstständigkeit und Eigenverantwortung ihrer SchülerInnenschaft etabliert hat. Als gewinnbringend stellte sich vor allem auch der Dialog der deutschen Lehrkräfte mit ihren Tiroler KollegInnen heraus, der Ideen für eine mögliche Kooperation anregte und einmal mehr die Bedeutung eines (internationalen) Austauschs für die stetige Weiterentwicklung einer Schule aufzeigte. Ein kleines Highlight war der Überraschungsauftritt des schottischen Singer-Songwriters James Mackenzie, der gemeinsam mit SchülerInnen ein spontanes Pausenkonzert in der Aula gab.

Im Anschluss ging die Reise weiter nach Nürnberg, wo den BesucherInnen im Memorium der Nürnberger Prozesse ein wichtiges Stück deutscher Geschichte anschaulich vorgeführt wurde. Die Metropole selbst wurde anhand von regionaltypischen Gaumenschmäusen genauso erkundet wie durch die amüsante und kurzweilige Stadtführung des Nachtwächters, der seine ZuhörerInnen in das Nürnberg des dunklen Mittelalters zurückversetzte. Einen Einblick in den Alltag einer Nürnberger Schule gewährte dann das Sigena-Gymnasium, wo es der Schulleiterin Frau Merkel und ihrer Kollegin Eva Deschauer gelang, den Gästen trotz der Kürze der Zeit ihre Schule mit all ihren Leistungspotenzialen vorzustellen. Wie auch die Neue Mittelschule Fließ arbeitet auch das Nürnberger Gymnasium an einer umfassenden Digitalisierung sowie Schulung der Medienkompetenz seiner Schülerinnen und Schüler und verfügt über eine liebevoll eingerichtete, professionell gestaltete Schulbibliothek. Besonders spannend für die KollegInnen aus Österreich waren die Multikulturalität der SchülerInnenschaft, das Unterrichtsfach Islamunterricht sowie die schiere Größe des Gebäudes und der Klassen. Trotz dieser Herausforderungen weist das Sigena-Gymnasium beeindruckende Erfolge bei der Verbesserung der Sprachkompetenz im Deutschen als Zweitsprache sowie bei der Einbindung von SchülerInnen in das extracurriculare Schulgeschehen auf.

Viel zu schnell endete der Besuch der FließerInnen, denen die mittelfränkischen Schulen gerne noch mehr gezeigt hätten. Das ZfL bedankt sich herzlich bei den GastgeberInnen wie den Gästen, von deren Neugier, Offenheit und Bereitschaft zum Neu- und Umdenken moderne Schule lebt.