Nachlese & Material zur Tagung 2018

Bericht

Tagung „individuell fördern“

Im Hörsaal
Prof. Dr. Christian Fischer

Am 23. Februar 2018 fand die Tagung „individuell fördern“ an der Friedrich-Alexander-Universität (FAU) in Nürnberg statt. Veranstalter der Tagung war das Zentrum für Lehrerinnen- und Lehrerbildung (ZfL) sowie das Büro für Gender und Diversity. In Vorträgen und Workshops tauschten sich etwa 160 Lehrerinnen und Lehrer, pädagogische Fachkräfte, Lehramtsstudierende sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zum Thema der individuellen Förderung aus.
Jede Schülerin und jeder Schüler hat unterschiedliche Begabungen, Interessen und Möglichkeiten. Die schulische Förderung sollte deshalb individuell auf die jeweiligen Lernenden zugeschnitten sein, um ihnen ein bestmögliches Lernumfeld zu bieten. Auf diese Weise ist es möglich, den Bildungserfolg von der jeweiligen sozialen Herkunft zu entkoppeln.
Prof. Christian Fischer von der Universität Münster zeigte in seinem Vortrag, dass individuelle Förderung leistungsschwache genauso wie leistungsstarke Schülerinnen und Schüler einschließt. Fischer plädiert von einer Defizitorientierung hin zu einer Potentialentwicklung zu gelangen. Die Unterschiede, die eine Klassengemeinschaft mitbringt, stellen für Lehrerinnen und Lehrer eine große Herausforderung dar. Mit Hilfe von pädagogischen Diagnoseverfahren kann die Lehrkraft einen Überblick hinsichtlich der Lernvoraussetzungen der einzelnen Schülerinnen und Schüler erlangen. Individuell fördern bedeutet, Diversity als Chance wahrzunehmen. Gezielt eingesetzte Methoden individuellen und kooperativen Lernens sowie Lernförderung erlauben einen konstruktiven und förderlichen Umgang mit Vielfalt.
Einen anderen Schwerpunkt setzte Prof. Anatoli Rakhkochkine von der FAU: Er untersuchte die individuelle Förderung aus internationaler Perspektive und trat dafür ein, die Ideen von individueller Förderung immer im kulturellen Kontext zu betrachten und bei einer Übertragung zu berücksichtigen.
Die Leitfrage der Tagung: „Schule neu denken, Spielräume nutzen, Lernhaltungen entwickeln – wie kann individuelle Förderung gelingen?“ prägte auch das Abschlussforum. In dieser Runde wurden weitere Bedingungen der individuellen Förderung diskutiert. Die anwesenden Experten und Expertinnen waren überzeugt, dass äußere schulische Rahmenbedingungen genauso wie Kompetenzen und Lehr-/ Lernhaltungen von Lehrkräften und Lernenden sowie beispielsweise das Lernen und Lehren im Tandem die individuelle Förderung voranbringen können. Das gesamte Abschlussforum steht als Videoaufzeichnung auf den Seiten des ZfL zur Verfügung.

Fotos

  • Im Hörsaal
    Im Hörsaal, Dr. Klaudia Kramer (Foto: Marie-Theres Graf, ZfL)

Videos

Vortrag: Diversität und individuelle
Förderung (Prof. Dr. Christian Fischer)


Präsentation zum Vortrag von Prof. Dr. Christian Fischer

Abschlussforum der Tagung

Downloads

Stimmen

Schule neu denken, Spielräume nutzen, Lernhaltungen entwickeln – wie kann individuelle Förderung gelingen?

Dr. Cornelia Höschele, Stadt Erlangen/Diversity Management

Individuelle Förderung braucht

  • Lehrkräfte, die ihre eigenen Stereotype reflektieren und verflüssigen,
  • Aktivitäten zur Stärkung der Selbstkompetenz der Schüler*innen z.B. über individuelle Beziehungsangebote und über die Ermöglichung von Erfolgen in ganz verschiedenen Lerngebieten – und dies ohne Hierarchisierung und Bewertung der Bereiche.

Antje Döllinger, Regierungsschuldirektorin, Regierung von Mittelfranken

„Individuell fördern“ braucht sehr gut geeignete und auf hohem Niveau ausgebildete und regelmäßig fortgebildete Lehrkräfte. Diese müssen mit ihren Schülerinnen und Schülern, mit deren Eltern sowie mit ihren Kolleginnen und Kollegen in beständigem Diskurs stehen. Lehrkräfte benötigen ein entsprechendes Berufsethos. Sie müssen das Spannungsfeld an Fähigkeiten innerhalb einer Lerngruppe wahrnehmen und ausschöpfen. Dabei müssen sie bewusst und gezielt Entscheidungen hinsichtlich eines lernzieldifferenten, aber auch gleichschrittigen Vorgehens treffen und hier eine Balance schaffen, da Lernen in einem sozialen Kontext stattfindet.

Dr. Imke Leicht, Leiterin des Büros für Gender und Diversity der FAU

Individuelle Förderung heißt auch die Herausforderung für Lehrkräfte, Potenziale zu erkennen und Chancengleichheit zu befördern.

Judith Holland, Diversity Management, Büro für Gender und Diversity der FAU

Für individuelle Förderung finde ich vor allem eines wichtig: Mehr Zeit – sowohl für Lehrende als auch für Lernende – um sich kennenzulernen und die Persönlichkeit wechselseitig in ihrer Vielfalt wertzuschätzen.

Christine Burmann, Stadt Nürnberg, Stabsstelle Menschenrechtsbüro & Frauenbeauftragte

„individuell fördern“ heißt für alle, die Komfortzonen auch einmal zu verlassen – dafür hat die Tagung viele Impulse geliefert.

Prof. Dr. Latzko & Dr. Katrin Gottlebe, Universität Leipzig

  • Individuelle Förderung setzt individuelle Diagnostik voraus.
  • Individuelle Förderung kann nur gelingen, wenn Lehrkräfte dahingehend sensibilisiert werden, dass Förderung und Diagnostik untrennbar verknüpft sind.

Jeanette Heißler, Thusneldaschule Nürnberg

  • Förderung hat individuelle Leistungsziele.
  • Individuelle Förderung ist keine Sondermaßnahme, sondern Kernauftrag der Schule.

Ute Ehrenfeld, Michael-Ende-Grundschule Nürnberg

  • Individuelle Förderung kann gelingen, wenn wir das einzelne Kind in seinem Lernverhalten gut kennen und bereit sind, es individuell zu unterstützen.

Dr. Katrin Vogt, ISB

  • Förderung und Diagnose bedingen sich gegenseitig. Keine Diagnose ohne anschließende Förderung. Keine Förderung ohne vorherige Feststellung des individuellen Bedarfs.
  • Diagnose ist Aufgabe der Lehrkraft und benötigt Zeit.

Christian Lutz, Mosaik-Schulen, Schweiz

  • Schule neu denken? Ja. Aber vor allem: Schule neu machen!
  • Schulen brauchen eine pädagogische Führung, die gemeinsame Grundhaltungen fördert und eine standardisierte Zusammenarbeit verlangt.

Dr. Birgit Neuhold, Hans-Sachs-Gymnasium Nürnberg

  • Individuelle Förderung stärkt Mündigkeit und Selbstkompetenz der Lernenden.
  • Differenzierung bedeutet ressourcenorientiertes Arbeiten im Sinne einer Ermöglichungsdidaktik.

Prof. Dr. Karim Fereidooni, Ruhr-Universität Bochum

Individuelle Förderung kann gelingen,

  • wenn sich (angehende) Lehrer_innen mit unterschiedlichen gesellschaftlichen Ungleichheitsstrukturen auseinandersetzen und ihr Wissen diesbezüglich in Ihrem alltäglichen Umgang mit Ihren Schüler_innen und der kritischen Auswahl Ihrer Lehrmaterialien übertragen.  
  • wenn sich (angehende) Lehrkräfte mit der Frage auseinandersetzen, wann die Differenz von Schüler_innen (im Sinne des Diskriminierungsschutzes) betont werden muss und wann die Differenz von Schüler_innen (im Sinne des Diskriminierungsschutzes) keine Rolle spielen sollte

Dr. Maria Seyferth-Zapf, Universität Würzburg

  • Eine Chance für individuelle Förderung in der Schule birgt der unterrichtliche Einsatz digitaler Medien. Maßgeblich wird eine positive Wirkung durch die medienpädagogische Expertise der Lehrpersonen, durch ihre Offenheit gegenüber technischen und pädagogisch-didaktischen Entwicklungen sowie ihre Entlastung hinsichtlich der zu leistenden Unterrichtsstunden bestimmt.
  • Damit Lehrpersonen die Potenziale digitaler Medien für individuelle Förderung nutzen können, sind neben den dafür notwendigen medienpädagogischen Kompetenzen auch strukturelle Rahmenbedingungen an den Schulen wichtige Voraussetzungen, was die technische Ausstattung sowohl in Form digitaler Endgeräte als auch in Form der dafür notwendigen Infrastruktur impliziert.

Dr. Bettina Harder, Universität Erlangen-Nürnberg

  • Individuelle Förderung ist möglich, wenn wir viele Fördermaßnahmen kennen und es uns gelingt, den Unterricht mit geeigneten Planungshilfen vorzubereiten.
  • Um Begabungen effektiv zu fördern, sollte zunächst das System des Lernenden mit seinen Ressourcen diagnostiziert werden und anschließend die notwendigen Ressourcen für die individuelle Weiterentwicklung verfügbar gemacht werden.

Dr. Miriam Hess, Universität Erlangen-Nürnberg

  • Informatives und motivierendes Feedback zu erteilen ist eine anspruchsvolle, aber wichtige Aufgabe für Lehrpersonen, um Schülerinnen und Schüler individuell zu fördern.
  • Die Arbeit mit Unterrichtsvideos im Lehramtsstudium kann den Erwerb wichtiger professioneller Kompetenzen zur individuellen Förderung von Schülerinnen und Schülern sinnvoll unterstützen.

Dr. Marion Händel, Universität Erlangen, Nürnberg

  • Durch die Berücksichtigung individueller Lernvoraussetzungen und Lernprozesse kann Individuelle Förderung ermöglicht werden.
  • Die Kombination direkter und indirekter Fördermaßnahmen kann zum Gelingen individueller Förderung beitragen.

Christian Albrecht, Universität Erlangen-Nürnberg

  • Individuelle Förderung hat die Individualisierung des Lernens zur Voraussetzung; dies bedeutet, Schülerinnen und Schüler im Deutschunterricht als einzigartige, höchst unterschiedliche Identitäten ernst zu nehmen und ihrer emotionalen, personalen und kognitiven Diversität im Umgang mit literarischen Texten umfassend Raum zur Entfaltung zu geben.

Nicolai von Schroeders, Universität Erlangen-Nürnberg

  • Damit eine individuelle Förderung gelingen kann, bedarf es einer frühzeitigen Identifizierung einer möglichen Rechenschwäche.
  • Nur eine differenzierte Diagnostik ermöglicht es den Lehrkräften, individuelle Förderpläne zu entwickeln.

Eva-Maria Plackner, Universität Erlangen-Nürnberg

  • Offene Aufgaben, die Anschauungsmittel einbeziehen, ermöglichen individuelle Förderarbeit mit einem überschaubaren Pool an Aufgabenstellungen.
  • Auch individuelles Fördern ist dann am effektivsten, wenn sich die Lernenden mit anderen Lernenden austauschen können.

Evelyn Beck, Universität Erlangen-Nürnberg

  • Beim Lernszenario arbeiten und lernen Kinder mit unterschiedlicher Erstsprache und unterschiedlicher Sprachkompetenz im Deutschen gemeinsam und steigern ihre Fertigkeiten in der Zielsprache Deutsch.
  • Das Lernszenario erfordert und fördert eigenständiges und eigenverantwortliches Lernen.

Nina Feldmann, MTO Tübingen

  • Potenzialanalysen bilden frühzeitig eine Basis für eine gezielte individuelle Förderung
  • Schülerinnen und Schülern wird durch die Auseinandersetzung mit den eigenen Kompetenzen der Weg in eine erfolgreiche Berufsorientierung geöffnet.

Nicole Dutschmann, Universität Erlangen-Nürnberg

  • Himmelblau & Rosarot – Unterricht neu denken.
  • Chancengleichheit durch Individualisierung.

Presse

Fotos: Marie-Theres Graf, ZfL